Innerhalb der Sammlung Schaufler nimmt die Fotografie einen wichtigen Platz ein. Dabei ist es nicht das Medium als solches und seine Geschichte, dem das Haupt-
interesse gilt. Vielmehr geht es um die Faszination, die von bestimmten Motiven, Bilderfindungen und deren formaler Umsetzung ausgeht. Die klassischen Genres der Fotografie – Portrait, Akt, Landschaft und Architektur – spiegeln sich in den Arbeiten wider, sind aber oftmals Zitate oder Stadien eines konzeptuellen Prozesses.
Die meisten Protagonisten innerhalb der Sammlung haben den konventionellen Rahmen der Fotografie hinter sich gelassen. Einige arbeiten neben anderen Ausdrucksformen mit diesem Medium, ohne im strengen Sinn Fotografen zu sein.
Mit Architektur und Raum, insbesondere mit öffentlichen Räumen, setzen sich Günther Förg, Candida Höfer und Thomas Struth auseinander. Höfer zeigte erstmals auf der documenta 11 ihre Fotoserie der zwölf Abgüsse von Auguste Rodins Werk „Die Bürger von Calais". Von Kopenhagen über London bis nach Philadelphia suchte sie alle Ausstellungsorte der historischen Plastik auf und dokumentierte die unterschiedliche Wirkung des Denkmals im Kontext des jeweiligen Ortes. Zwei Fotos von Struth zeigen Straßenansichten von São Paulo, in denen die urbanen Besonderheiten des Landes
zum Ausdruck kommen.
Die neunteilige Fotoserie „Embassy" von Thomas Demand gehört zu den wichtig-
sten Exponaten der Ausstellung. Für seine Werke baut der Künstler detailgetreue und täuschend echt wirkende Papiermodelle von menschenleeren, meist politisch bedeut-
samen Orten, die er dann abfotografiert. In den Aufnahmen von „Embassy" setzte er
den Einbruch in die Botschaft von Niger in Rom 2001 ins Bild. Beim realen Ereignis wurden Briefpapier und Stempel gestohlen, um später Beweise für einen angeblichen Uranschmuggel in den Irak zu fingieren. Die gefälschten Unterlagen dienten der
US-Regierung unter Bush schließlich als Legitimation für den Irakkrieg. Die inszenierten Fotografien erzählen die Geschichte des Diebstahls und stellen die Frage: Was ist Wahrheit und was nicht?
Von Andreas Gursky, dem international erfolgreichsten Fotografen der Gegenwart, sind zwei Werke zu sehen. Die Arbeit „Cheops" zeigt die größte Pyramide in Gizeh. „Loveparade" ist ein Beispiel für Gurskys verblüffende Bildkonstruktionen. Er verdichtet Zeit und räumliches Geschehen in seinen Bildern und zeigt mit Massendarstellungen wie „Loveparade" Metaphern der Globalisierung.
In der Ausstellung sind außerdem neben vielen weitere Exponaten Thomas Ruffs Porträtserie „blaue Augen", sechs Werke von Wolfgang Tillmans, 69 Fotografien des Japaners Nobuyoshi Araki von bemalten Blumen, Bettina Rheims' „Héroïnes" sowie Vanessa Beecrofts fotografische Dokumentationen von Performances zu sehen.
Ein separater Raum ist der 5-teiligen Fotoserie „New York, November 8" aus dem Jahr 2001 von Starregisseur Wim Wenders gewidmet, die den Ort der Terroranschläge vom 11. September fokussieren. Zum Thema New York gibt
es weitere Arbeiten von Doug Aitken
und Michael Wesely.
Künstlerliste
Doug Aitken │ Nobuyoshi Araki │ Bernd und Hilla Becher │ Vanessa Beecroft │ Peter Bialobrzeski │ Lynn Davis │ Thomas Demand │ Elger Esser │
Günther Förg │ Andreas Gursky │ Klaus Heider │ Candida Höfer │ Roni Horn │
Magdalena Jetelová │ Astrid Klein │ Imi Knoebel │ Vera Lutter │
Hiroyuki Masuyama │ Mario Merz │ Jack Pierson │ Bettina Rheims │
Ugo Rondinone │ Thomas Ruff │ Hans-Christian Schink │ Thomas Struth │ Wolfgang Tillmans │ Wim Wenders │ Michael Wesely
