Henrique Oliveira, Burned Bridges, Eternal Return, 2026, © Henrique Oliveira

ANATOMY OF PRESENCE

Vivian Caccuri. Lucia Koch. Henrique Oliveira

27.09.2026–18.07.2027

Das SCHAUWERK Sindelfingen zeigt monumentale Skulpturen und Installationen der drei international erfolgreichen brasilianischen Künstler:innen Vivian Caccuri, Lucia Koch und Henrique Oliveira.

Für die Ausstellung ANATOMY OF PRESENCE entstanden eigens für das SCHAUWERK neu konzipierte, immersive Werke: von begehbaren organischen Strukturen, über eindrückliche Klangwelten bis zu Lichtinstallationen.

Die drei Künstler:innen treten in einen direkten Dialog mit dem menschlichen Körper und verwandeln das Museum in eine vibrierende Landschaft sinnlicher Erfahrungen. Damit stehen sie in einer Tradition der Installationskunst, die sich in Brasilien seit den 1960er Jahren als eigenständige Form entwickelte, geprägt von modernistischen Einflüssen, kultureller Vielfalt und einer besonderen Unmittelbarkeit.

In einer zunehmend virtuellen Welt setzt die Ausstellung einen deutlichen Kontrapunkt: Sie lädt Besucher:innen zu einem Parcour ein, um die eigene Körperlichkeit und die Umgebung bewusst wahrzunehmen.

Vivian Caccuri (*1986 in São Paulo) hat für das SCHAUWERK die skulpturale Soundinstallation Overheated System entwickelt, die von den improvisierten Arrangements von Strom- und Datenkabeln in brasilianischen Städten inspiriert ist. Diese Kabel sind eine Metapher für den Erfindungsreichtum bei der Beschaffung von Elektrizität sowie ein Symbol sozialer Ungleichheiten. Caccuri untersucht, inwieweit Wahrnehmung kulturell geprägt ist und zugleich auf unmittelbaren Resonanzen des Körpers beruht. Aus übereinander gestapelten Lautsprechern aus Beton erklingen tieffrequente Rhythmen. Die Klänge der Installation werden direkt aus dem elektronischen Strom des Gebäudes gewonnen und in einen eigens für die Installation entwickelten modularen Synthesizer eingespeist. Rhythmus und Klang werden als Vibration körperlich erfahrbar, während ihr Schalldruck Kerzenflammen vor den Lautsprechern in Bewegung versetzt. Zugleich greifen mit Ash Fossil I und II zwei bestickte und bemalte Tapisserien aus Moskitonetzen die Signale des Synthesizers visuell wie ein Sonogramm auf.

Lucia Koch (*1966 in Porto Alegre) untersucht mit Licht, Farbe und architektonischer Intervention räumliche Wahrnehmung. In der Ausstellung verwandelt sie das 15 Meter hohe ehemalige Hochregallager mit Farbfolien und Lichtprojektionen in eine immersive Licht- und Farbinstallation. Die projizierten Farbflächen in Gang of Four (Runners) erscheinen wie bewegte Schatten, die in einer von der Künstlerin entwickelten Choreografie einen kontinuierlichen Farbverlauf bilden und den Raum permanent transformieren. Für Big Loop versieht sie die Deckenleuchten entlang des umlaufenden Aufgangs mit handgefertigten farbigen Gelhüllen. Die daraus entstehende Abfolge unterschiedlich kolorierten Lichts lässt Besucher:innen darin eintauchen. Am gläsernen Eingang des Museums schuf Koch unter dem Titel Atmosphere Box einen farblichen Grenzbereich zwischen Sonnenaufgang und -untergang. Changierend zwischen Morgen- und Abenddämmerung wird der Raum zu einer zeitlosen Zwischenzone, in der die eigene Wahrnehmung verschwimmt.

Henrique Oliveira (*1973 in Ourinhos, São Paulo) entwickelt für das SCHAUWERK eine zentrale Installation von architektonischem Ausmaß. Burned Bridges, Eternal Return breitet sich wie ein rätselhafter, lebendiger Organismus im Museum aus. Die geschwollenen, wurzelartigen Formen wachsen aus Boden und Wänden. Fast scheinen sie das metallische Gerüst der ehemaligen Produktionshalle zu sprengen. Der Künstler erinnert so an die Kraft der Natur, die ihren Raum zurückfordert und sich von nichts dauerhaft aufhalten lässt. In ihrem Inneren umschließt die Installation einen kleineren Ausstellungsraum, in dem Oliveira eine weitere Arbeit präsentiert. Besucher:innen können sich durch die angeschwollene Struktur wie in einer Höhle bewegen. Der Künstler verwendet für seine Arbeiten Sperrholz, das als Material oft auf Baustellen oder in den Armenvierteln Brasiliens zum Einsatz kommt. Einst ein Baum, wird es zum Baustoff und schließlich zu Abfall. Oliveira sammelt dieses ausgediente Holz und formt daraus Gebilde, die erneut an gewachsene Natur erinnern.

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