Lucia Koch

Werkangaben

1 = Lucia Koch, Atmosphere Box, 2026, Druck auf selbstklebender Kunststofffolie, © Lucia Koch, Courtesy of the artist and Carlier Gebauer Gallery

2 = Lucia Koch, Gang of Four (Runners), 2026, Projektoren, Stative, Farbwechsler, Kabel, Piezomikrofone, Arduino und Lautsprecher, © Lucia Koch, Courtesy of the artist and Carlier Gebauer Gallery

3= Lucia Koch, Big Loop, 2026, Farbkorrekturfilter auf Leuchtstofflampen, © Lucia Koch, Courtesy of the artist and Carlier Gebauer Gallery

Lucia Kochs (*1966) künstlerische Praxis umfasst Fotografie, Video, skulpturale Arbeiten und immersive Installationen. Im Zentrum ihres Werks steht die Frage, wie Licht, Farbe und Architektur unsere Wahrnehmung von Räumen beeinflussen. Über die Jahre hat sie hierzu unterschiedliche Werkgruppen entwickelt, wobei sie ihre Inspiration meist aus den Orten selbst schöpft und auf bestehende Gebäude und räumliche Situationen reagiert. Koch betrachtet Architektur als eine Sprache, die „gelesen“ und erforscht werden kann. Mit ihren Interventionen untersucht sie, wie Menschen einen Raum erleben und sich in ihm bewegen. Für ANATOMY OF PRESENCE hat die Künstlerin drei Arbeiten entwickelt.

Im Windfang des Museums befindet sich die Arbeit Atmosphere Box, in der transluzente, mit Farbverläufen bedruckte Folien das durch die Glasflächen einfallende Licht filtern. Die sich gegenüberliegenden Farbverläufe wecken Assoziationen an einen Sonnenaufgang und einen Sonnenuntergang, wodurch der Raum dazwischen in eine zeitlose Zwischenzone verwandelt wird. So verändert Koch nicht nur unsere Raum-, sondern auch unsere Zeiterfahrung.

Im ehemaligen Hochregallager bilden vier modifizierte Projektoren die Installation Gang of Four (Runners). Sie projizieren eine Choreografie aus wechselnden Licht- und Farbstimmungen auf die Wand. In allen vier Projektoren befinden sich hierfür von der Künstlerin selbst angefertigte Farbwechsler (engl. colour scroller). Dabei handelt es sich um Filter aus längeren Streifen transparenter Farbfolie, auf denen mehrere Farben nacheinander angeordnet sind. Über motorisierte Rollen laufen die Streifen vor einer Lichtquelle entlang. Je nachdem, welcher Farbabschnitt gerade vor der Lampe liegt, wird das Licht entsprechend gefiltert. Das Licht wird dabei so gestreut, dass feine Farbverläufe entstehen, die sich durch die Programmierung über die Wand zu bewegen scheinen. Es erinnert an alte Dia- oder Filmprojektionen, jedoch mit dem Unterschied, dass uns keine Bilder oder Narration präsentiert werden, sondern Farbstimmungen.

Viele von Kochs Interventionen nutzen aber auch das bereits vor Ort vorhandene Licht. Licht versteht sie dabei nicht nur als Mittel zur Beleuchtung, sondern als eine Kraft, die Räume formt und unsere Wahrnehmung beeinflusst. Ein eindrückliches Beispiel hierfür ist die Arbeit Big Loop. Für diese Installation hat Koch mehr als 200 vorhandene Leuchtstoffröhren im ehemaligen, 15 Meter hohen Hochregallager des SCHAUWERK mit Farbkorrekturfolien versehen. Diese speziellen Folien werden auch in der Filmproduktion zur Belichtungskorrektur oder zur Simulation von verschiedenen Tageszeiten eingesetzt. Der spiralförmige Rundgang verwandelt sich mit ihrer Hilfe in eine riesige Farbsequenz. Während die Besucher:innen die Rampen hinauf- und hinabgehen, durchqueren sie unterschiedliche Farbstimmungen und erleben den Raum als eine Abfolge von Licht, Farbe und Bewegung. Wer sich durch die Installation bewegt, entdeckt immer neue Farbklänge, Blickwinkel und räumliche Beziehungen. Der eigene Körper wird dabei zum Maßstab des Erlebens. Der immersive Charakter verdeutlicht, dass Licht und Farben nicht nur visuell erfahrbar sind, sondern auch direkt auf den Körper einwirken.

Mit Big Loop greift Koch darüber hinaus eine Idee des tschechisch-brasilianischen Philosophen und Kommunikationstheoretikers Vilém Flusser (1920–1991) auf. Dieser äußerte in den 1990er-Jahren die Idee einer Sprache aus Farben. Flusser stellte die These auf, dass durch den Computer in Zukunft virtuell eine praktisch unendliche Zahl an Farben zur Verfügung stehen würde. Es sei daher nur logisch, daraus eine hochentwickelte Sprache zu erschaffen, die Dinge ausdrücken kann, die mit Wörtern und Zahlen nicht möglich sind. In Big Loop können die Farbfolgen wie ein fortlaufender, nicht rational interpretierbarer Text „gelesen“ werden – nicht mit den Augen allein, sondern mit dem ganzen Körper, während man sich durch den Raum bewegt und in sie eintaucht.

Biografie

Lucia Koch
Geboren 1966 in Porto Alegre, Brasilien.
Lebt und arbeitet in São Paulo, Brasilien.

Ihre Arbeiten wurden in mehreren Einzel- und Gruppenausstellungen gezeigt, darunter:

2025: MAC-RS, Porto Alegre, Brasilien.
2024: Museo Madre, Napel, Italien.
2022: Tumulte, Palais d’Iéna, Paris, Frankreich.
2021: Regressão, Museu de Arte Contemporânea MAC-USP, São Paulo, Brasilien; Propaganda, Instituto Inhotim, Brumadinho, Brasilien.
2019: Casa de Vento, Lina Bo Bardi’s Casa de Vidro, São Paulo, Brasilien; MAAT-Museu de Arte, Arquitetura e Tecnologia, Lissabon, Portugal.
2017: The Los Angeles Municipal Art Gallery (LAMAG), Los Angeles, USA.
2015: La Temperatura del Aire, Fundación Caja de Burgos, Spanien.
2009: Yerba Buena Center for the Arts, San Fransisco, USA.
2008: MOT-Contemporary Art Museum, Tokyo, Japan.

Sie hat an mehreren Biennalen teilgenommen, darunter an der 2. Islamischen Kunstbiennale in Dschidda, Saudi-Arabien, der 1. Public Art Abu Dhabi Biennale in den Vereinigten Arabischen Emiraten, der 1. Rabat Biennale in Marokko, der 1. Architektur-Biennale in Orleans, Frankreich, der 11. Sharjah-Biennale in den Vereinigten Arabischen Emiraten, der 11. Lyon-Biennale in Frankreich, der 1. Aichi-Triennale in Nagoya, Japan, der 27. São Paulo-Biennale in Brasilien, der 3. Göteborg-Biennale in Schweden und der 8. Istanbul-Biennale in der Türkei.

ÖFFNUNGSZEITEN

MI–SO 11–18 Uhr

FÜHRUNGEN UND WORKSHOPS

Kunstvermittlung

INFO POST

Bestellen Sie Einladungen und Flyer in gedruckter Form.

Info Post bestellen

Kontakt

SCHAUWERK Sindelfingen

Eschenbrünnlestraße 15

71065 Sindelfingen | Germany

Tel +49 7031 932-4900

Bitte aktivieren Sie JavaScript um uns zu kontaktieren

Anfahrt

NEWSLETTER

Bleiben Sie informiert über Neuigkeiten, aktuelle Ausstellungen und Hintergründe aus dem SCHAUWERK

Newsletter abonnieren