Monocromi

Anfang der 1960er Jahre erobert Schifano mit seinen sogenannten Monocromi die italienische Kunstszene. Dabei handelt es sich um eine Reihe farb- und formreduzierter Werke, die zwischen 1960 und 1963 entstehen und in denen der Künstler zunächst jeweils nur eine, später auch zwei Farben verwendet.

Typisch für die frühen Monocromi – wie die beiden Papierarbeiten Ohne Titel (beide 1960) – ist ein meist satter und tropfender Farbauftrag in Form eines Rechtecks mit abgerundeten Ecken. Diese erinnern an Bilder- oder Diarahmen bzw. Bildschirme. Es sind visuelle Filter, die den Blick von der Realität lösen und ihn durch eine Art Linse leiten. Dieses Motiv greift Schifano auch in den folgenden Jahrzehnten und in anderen Werkserien wiederholt auf.

Die radikale Reduktion seiner Bildsprache bietet eine spannende Alternative zur damals vorherrschenden gestischen Abstraktion, bei der eine spontane und körperbetonte Ausdrucksweise im Vordergrund steht. Schifano bezeichnet sich selbst als aufmerksamen Beobachter. Inspirationen findet er im urbanen Alltag der Stadt wie Straßenschildern und Plakatwänden. Davon angeregt, integriert er selbst Packpapier in seine Gemälde, indem er dieses auf die Leinwand klebt und sie anschließend mit Lack bemalt.

Die Monocromi lassen sich in verschiedene Typen unterteilen. Anfangs noch „leer“, füllen sich die Flächen im Laufe der Zeit mit subtilen Fragmenten, Zeichen und Symbolen, die Schifano aus der visuellen Sprache der Großstadt ableitet. So ist das rot-weiß gestreifte Cartello Piccolo (1962) von Warnschildern an hölzernen Baustellenzäunen inspiriert. Die Formen in Tempo moderno (1962) wiederum gehen auf die Ziffer „Null“ der Typografie früher digitaler Maschinen zurück.

Das Prinzip bleibt stets dasselbe: Vertrautes wird in Malerei überführt. Es geht Schifano um die Erforschung und das Spiel mit der Ausdruckskraft einzelner alltäglicher Zeichen. Die Verwendung von Packpapier als Untergrund und der schnelle, tropfende Farbauftrag zeugen von seiner Faszination für materielle Texturen und von einer Ungezwungenheit im Umgang mit Malerei, die sich durch sein gesamtes Schaffen zieht.

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