Offen, neugierig und immer in Bewegung – so lässt sich Schifanos künstlerisches Schaffen beschreiben. Er selbst sagt dazu: „Alle zwei Jahre habe ich das Bedürfnis, meine Arbeit zu revolutionieren, um eine neue zu erfinden. Tatsächlich habe ich nichts zerstört, meine Arbeiten sind immer eine Weiterentwicklung der vorherigen.“
Die frühe Zeichnung Ohne Titel (1963) zeigt die in den 1960er Jahren entstandene Autostrada del Sole (A1), Italiens neue Nord-Süd-Verbindung. Das Bild zeugt von Schifanos Interesse an seiner Gegenwart und ihren visuellen Zeichen. Formatfüllend zieht sich eine Straße mit ihren charakteristischen weißen Fahrbahnmarkierungen horizontal durch eine abstrahierte Landschaft, schlicht und prägnant. Das Motiv lässt sich zudem als Metapher für Schifanos eigene Suche nach neuen Wegen lesen.
Auch im zwanzig Jahre später entstandenen La vita è dura fra gli aborigeni (1984) bleibt die Idee des Unterwegsseins zentral. Gleich zwei Wege setzt der Künstler hier ins Bild: Rechts reihen sich architektonische Wahrzeichen Roms – darunter die Piazza del Popolo, jener Ort an dem seine Karriere beginnt – entlang einer vertikalen Achse. Links daneben führt ein gepflasterter Pfad perspektivisch in die unbestimmte Tiefe eines dunkeln Waldes. Vergangenheit und Zukunft, Erinnerung und Aufbruch stehen nebeneinander.
In Trasloco (1995) verdichtet sich das Motiv der Bewegung. Häuser und Stühle wirbeln darin durcheinander. Der titelgebende „Umzug“ kann auch im übertragenen Sinne verstanden werden: Schifano fasziniert die Vorstellung, dass seine Bilder zirkulieren und in den Wohnungen, Büros und dem Alltag der Menschen ein neues Zuhause finden. Im Jahr der Entstehung des Gemäldes schließt er einen Vertrag mit einem italienischen Teleshopping-Kanal, über den er nun den größten Teil seiner Werke verkauft. Damit macht er seine Kunst einem breiteren Publikum zugänglich. Auch wenn dieser Schritt von der Kunstwelt kritisch gesehen wird und die damit einhergehende inflationäre Produktion seinen Marktwert mindert, nutzt Schifano damit nur wenige Jahre vor seinem Tod noch einmal neue Vertriebswege für den Verkauf seiner Werke.
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