Printmedien

Schifano ist fasziniert von der Fotografie. Obwohl es zahlreiche Aufnahmen gibt, die den Künstler mit einer Kamera – seinem „mechanischen Auge“ – zeigen, nutzt er interessanterweise kaum eigene Aufnahmen als Vorlage für seine Gemälde. Stattdessen greift er bevorzugt auf bereits existierende, öffentlich zugängliche Bilder zurück. Ein reichhaltiges Repertoire liefern ihm neben dem Fernsehen auch die Printmedien.

„Ich schneide immer Fotos aus Zeitungen aus, wie Kinder, und lege sie beiseite“, beschreibt der Künstler selbst seine Methode. Dieses gefundene Bildmaterial aus Magazinen und Zeitungen projiziert er auf die Leinwand und überführt es anschließend in Malerei.

Bei En plein air (1964) handelt es sich um die malerische Reinterpretation einer Werbekampagne von Volkswagen für den italienischen Markt. Während das Originalbild eine Familie bei einem Picknickausflug mit ihrem VW zeigt, bleiben in Schifanos Fassung lediglich eine schemenhafte Natur und eine grün ausgemalte Fläche, anstelle des beworbenen Autos, zurück. Der Titel verweist ironisch auf die Praxis der Freilichtmalerei der französischen Impressionisten, denn Schifanos Landschaft ist offenkundig nicht in der Natur entstanden.

Auch aktuelle Ereignisse und Schlagzeilen, die in der Presse und in den Medien zirkulieren, finden Eingang in Schifanos Werk. Besonders interessiert zeigt er sich am „Space Race“, dem medial inszenierten Weltraumwettlauf der Supermächte. Die Serie Spazio (1965) basiert auf Aufnahmen des Weltraumspaziergangs eines US-amerikanischen Astronauten im Juni 1965 und zeigt aus ungewöhnlicher Perspektive die Beine des Astronauten, der in seinem Raumanzug neben der Kapsel im All schwebt.

Das großformatige Tearful (1990) geht auf ein publiziertes Pressefoto zurück. Es zeigt die emotionale Verabschiedung eines US-Soldaten von seinem kleinen Sohn im Kontext des Zweiten Golfkriegs. Das Bild erscheint im Dezember 1990 im TIME Magazine. Bei Schifano ist das Figurenpaar von einem Farbchaos umgeben, das die emotionale Intensität des Moments verstärkt. Der Junge tritt als weiße Silhouette hervor, abstrahiert und zugleich hervorgehoben.

Das Werk zeugt von Schifanos aufmerksamer Beobachtung des Weltgeschehens und seinem anhaltenden Interesse für Politik. Gleichzeitig beinhaltet es eine persönliche Dimension. Die Geburt seines Sohnes Marco im Jahr 1985 markiert einen Wendepunkt: Die Erfahrung der Vaterschaft spiegelt sich in der zunehmenden Emotionalität seiner späteren Arbeiten wider. Marco war zur Entstehungszeit des Gemäldes etwa im selben Alter wie das Kind auf dem Pressefoto, eine persönliche Verbindung, die in Tearful spürbar wird.

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