Schifano gilt als einer der bedeutendsten Vertreter der italienischen Pop Art. 1962 beginnt er Ausschnitte bekannter US-amerikanischer Firmenlogos wie Coca-Cola, Esso und Cities Service Company zu malen. Wie schon bei seiner Serie der Monocromi entnimmt er diese Motive seiner urbanen Umgebung. Die Logos stammen von Werbetafeln und Plakaten, mit denen die Straßen Roms zur Zeit des Wirtschaftsbooms tapeziert sind.
Propaganda (1962) zeigt den unverwechselbaren Schriftzug der Marke Coca-Cola. Die enorme Bekanntheit des Produkts ermöglicht seine sofortige Identifikation, selbst im stark angeschnittenen Detail.
Interessant ist der doppeldeutige Titel, den Schifano Werken wie diesem gibt: „Propaganda“ bezeichnet im Italienischen jener Jahre schlicht Werbung, kann aber ebenso politische oder ideologische Beeinflussung meinen. Dann liest sich der Titel als eine Reflexion über Werbestrategien und als Kommentar auf den aggressiven Export von Konsumgütern der Vereinigten Staaten zu dieser Zeit.
In Tutta Propaganda (1963) kombiniert Schifano den Coca-Cola-Schriftzug mit einer abstrahierten Version des Logos der Ölgesellschaft Cities Service Company. Daneben erscheinen die Zahl 5 und der Buchstabe D. Unter dem Namen „5-D“ vertreibt die Firma damals Schmieröl in Dosen, das auch in römische Autowerkstätten importiert wird.
Die makellose Konsumästhetik der Werbebilder weicht hier einem stark malerischen Gestus. Die Oberfläche der Leinwand wird zu einem Schlachtfeld, auf dem die Malerei dem Konsumwahn den Kampf anzusagen scheint.
Im Herbst 1962 ist Schifano mit dem Werk Propaganda in der Ausstellung New Realists in der New Yorker Galerie von Sidney Janis vertreten, die als wegweisend für die Entstehung der Pop Art gilt. Schifanos Beteiligung an der Ausstellung kam durch das Engagement der Galeristin Ileana Sonnabend zustande. Sie hatte seine Werke Anfang der 1960er Jahre in der Galerie La Tartaruga von Plinio de Martiis in Rom gesehen und nimmt ihn daraufhin als ihren ersten italienischen Künstler unter Vertrag.
Ein politischer Unterton klingt auch in Bisogna farsi un’ottica (Franco Angeli, Tano Festa) (1965) an. Der titelgebende Schriftzug (dt. Man muss sich eine Sichtweise zulegen) zieht sich in Bogenformen über eine abstrakte, von energischem Rot überflutete Landschaft. Schifano spielt damit auf die Notwendigkeit an, den Blick auf eine sich wandelnde Realität neu zu schärfen – ein Gedanke, der am Vorabend der politischen Protestbewegungen besondere Aktualität besitzt. Die Widmung an seine Künstlerfreunde Franco Angeli und Tano Festa verweist auf die Verbundenheit innerhalb der Scuola di Piazza del Popolo. Diese lose Gruppe junger römischer Maler trifft sich regelmäßig im Caffè Rosati, in der Galerie La Tartaruga und der Buchhandlung Feltrinelli, alle rund um die Piazza del Popolo gelegen. Schifano wohnt nur wenige Schritte entfernt. In dieser lebendigen, von Austausch und Experimentierfreude geprägten Szene, entsteht eine eigenständige, italienische Variante der Pop Art.
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