Anfang Dezember 1963 reist Schifano gemeinsam mit seiner damaligen Freundin, der Schauspielerin Anita Pallenberg, nach New York, wo er mehrere Monate verbringt. In Manhattan richtet er sich ein Atelier in einem ehemaligen Tanzstudio ein. Über den Dichter Frank O’Hara und den Maler Jasper Johns, die im selben Gebäude leben, knüpft Schifano Kontakte zur New Yorker Kunstszene. Er begegnet Künstlern wie Jime Dine und Andy Warhol, dessen Factory er mehrfach besucht. „Wenn ich nicht Andy Warhol wäre, wäre ich gerne Mario Schifano”, soll Warhol damals gesagt haben. Eine Aussage, welche die gegenseitige Faszination treffend wiedergibt.
Auch wenn sich Parallelen zwischen den Werken beider Künstler erkennen lassen, entwickelt sich Schifanos Ansatz unabhängig von der US-amerikanischen Pop Art – und, entscheidend, bereits über ein Jahr vor seinem Aufenthalt in den Vereinigten Staaten.
Quadro dedicato ai pittori di insegne (1964) entsteht im Jahr seines New York-Aufenthalts. Es zeigt Fragmente des Coca-Cola-Schriftzugs, angelegt wie in einer Vorzeichnung, versehen mit Maßangaben, Farbproben und einem „Trademark“-Vermerk neben der Signatur des Künstlers. Mit der Widmung im Titel (dt. Bild, das den Schildermalern gewidmet ist) spielt Schifano auf das traditionelle Handwerk an, Reklame- und Ladenschilder von Hand zu malen. Zugleich lässt sich der Titel als ironischer Kommentar auf die glatte Werbeästhetik vieler US-amerikanischer Pop Art-Künstler lesen. Schifano hingegen geht es um den sichtbaren, prozesshaften Charakter, das Unfertige, die Spur der Hand. Die farbigen Streifen am rechten Bildrand erinnern an Farbtests und lenken den Blick auf das Entstehen des Bildes selbst. Damit bleibt seine Pop Art tief in der Malerei verwurzelt.
Mit Central Park East (1964) wendet sich Schifano einem neuen, traditionellen Thema zu: der Landschaft. Auf einem Malgrund aus collagierten Packpapierbögen liegen lasierende Farbschichten in unterschiedlichen Grüntönen, klar als tropfende Pinselspuren erkennbar. Vage Assoziationen an eine Parklandschaft entstehen, doch das Motiv bleibt unbestimmt. Statt einer naturalistischen Darstellung des New Yorker Parks interessiert Schifano auch hier das Bild als physisches Objekt: es ist Oberfläche, auf der Farbe, Material und Bewegung miteinander in Beziehung treten.
Ileana Sonnabend, die bedeutende Galeristin, bei der er seit 1961 unter Vertrag steht, konnte dieser Entwicklung in Schifanos Werk wenig abgewinnen und beendet 1963 die Zusammenarbeit. Zudem sorgt sie dafür, dass er auf dem internationalen Markt keinen Zugang findet. Der Künstler lässt sich davon nicht beirren. Nach seiner Rückkehr nach Rom beginnt für ihn eine Phase außergewöhnlicher Produktivität und Experimentierfreudigkeit.
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